Donnerstag, 11. August 2011

Wetterbericht und Geistergeschichten

So, die letzte Woche hier in Kanada ist schon wieder halb rum, und ich dachte mir, ein paar Geschichten hab ich doch noch zu erzählen ;)
Zunächst einmal noch die Fortsetzung vom letzten Wochenende: Der Sauerbraten ist herrlich geworden :D Die Klöße, nun gut, die waren etwas wässrig, aber am nächsten Tag in der Pfanne gebrutzelt ein Traum :D Und das Rotkraut war auch super lecker :D Alles in allem also ein wunderschöner Sonntagabend mit einem sehr leckeren Kirschrotwein:


Dann war ich diese Woche auch ganz fleißig und habe viel für die Englisch Prüfungen gelernt, die mich ja nun schon Morgen (mündlich) und übermorgen (schriftlich) erwarten. Bin schon etwas beruhigter dadurch, dass die Übungen so gut verlaufen sind ;) Aber naja, ist eben wie immer vor einer Prüfung, aufgeregt bin ich trotzdem!
Was gibt es noch zu berichten? Ach ja, unsere Chilis (ja am Anfang hatte ich gedacht, es seien Paprika, aber die haben hier nun mal das gleiche Wort „pepper“ wenn man es ausdrücklich spezifizieren möchte, sind Paprikas „bell peppers“ und Chilis dann eben „hot peppers“ oder „chili peppers“) werden gerade rot! Also die ersten sind es schon :D Die stehen hier nämlich drinnen im Fenster und ich bin stolz, dass meine mit dem Pinsel befruchten Aktion ein voller Erfolg war! Ganze 20 Paprika wachsen an drei kleinen Pflänzchen:


Was gibt es noch zu sagen… ach ja, ein Hinweis für alle zukünftigen Besucher hier :D Wie finde ich heraus, welche Klamotten ich nun heute draußen brauche? Ein kleine Anleitung:
1. Schau auf das Thermometer und nimm die angegebenen Grad Celsius als Ausgangszahl. (heute 19°C)
2. Schau aus dem Fenster. Ist strahlenden Sonnenschein und weit und breit keine Wolke in Sicht: Addiere 5 °C (ist heute der Fall, also sind wir schon bei gefühlten 24°C)
 - Vergiss dabei aber nicht, dass es, sobald du in den Schatten trittst, wieder 5° weniger sind, also immer eine dünne Jacke mitnehmen.
3. Geh auf den Balkon, vor die Tür oder Steck zumindest den Kopf aus dem Fenster
- Ist es windig, zieh wieder 5°C ab
- Ist es windstill, addiere nochmal 5°C
- Weht eine leichte Brise, wie eigentlich immer, kann alles bleiben wie es ist (das ist heute mal wieder der Fall, also noch immer gefühlte 24°C)
4. Schau, wo du hingehen möchtest! Am Strand ist es immer windig und deshalb auch immer kühler! Und dazu gehört auch der Hafen direkt in Downtown. Gehst du allerdings nur zwei Querstraßen weiter, ist der Wind weg und die Sonne wieder brütend heiß!
Allgemein gilt für das Wetter hier: Die Sonne ist heiß, der Wind ist kalt! Und das eigentlich immer ;)
Dann haben wir gestern Abend noch einen herrlichen Ausflug gemacht. Hier werden nämlich im Sommer jeden Abend sogenannte „Ghostly Walks“ angeboten. Also praktisch Geisterführungen durch Victoria. Ob man die mitmacht, sollte man sich allerdings gut überlegen, ich fand sie jedenfalls dermaßen gruselig, dass ich die ganze Nacht kein Auge zugetan hab, nachdem ich es kurz geschafft hatte, einzudämmern und prompt nen Albtraum hatte! Ich will meinen Traumfänger wieder! ;) Ich bin nur wirklich heilfroh, dass ich in keinem der Hotels übernachten musste, über die wir die Geschichten gehört haben und ich weiß jetzt schon, dass ich mit Sicherheit niemals freiwillig dort übernachten würde XD Also zumindest nicht mehr ;) Aber die Geschichten waren wir super, bunt gemixt und sehr schon erzählt.
Laut unserer Führerin, ist Victoria die am meisten von Geistern verfolgte Stadt an der ganzen kanadischen Ostküste, weil drei geologische Faktoren die Energien hier bündeln und daher praktisch gefangen halten. Zum einen drückt von vielen Seiten der Ozean an Victorias Küsten, zum zweiten sind wir in einem von Bergen umgebenen Talkessel und zum dritten steht Victoria fast komplett auf Basalt (hm, ich hoffe ich hab mir das jetzt richtig gemerkt… oder war es Schiefer, verdammt, da muss ich nochmal Chrissi und Melissa fragen ;) ) und das soll angeblich auch die Energien halten.
Jedenfalls haben hier schon lange vor den ersten Siedlern Indianer gewohnt. Und was ich noch nicht wusste, sind ihre Bestattungsrituale. Ich weiß nicht, ob es bei allen Stämmen so ist, jedenfalls bei den hier ansässigen war es so, dass sie ihre Toten nicht bestattet haben, sondern nur entweder auf den Boden gelegt und mit Steinen bedeckt haben oder in Körben in die Bäume gehängt haben!!! Wenn sehr angesehene Leute des Stammes starben, hat man sie in voller Montur in ein Kanu gelegt und dieses in einen Baum gehängt. Man ging also sehr sehr respektvoll mit den Verstorbenen um, weil man eben fest davon überzeugt war, dass ihre Seelen noch hier weilten.
Ihr könnt euch vorstellen, wie die ersten Siedler geschaut haben, als sie hier ankamen und lauter tote in den Bäumen hingen ;) Für uns eben etwas vollkommen Unvorstellbares, aber für die Indianer eben so heilig wie bei uns das bestatten auf einem Friedhof. Der Typ, der das Land jedenfalls gekauft und die Indianer verjagt hat, hatte keinerlei Respekt vor deren Gebräuchen und ließ die ganzen Toten aus den Bäumen einfach im Hafen versenken. Die Ureinwohner haben ungläubig zugeschaut, aber nicht unternommen, denn sie waren sich sicher, dass die Geister sich schon rächen würden. Und so kam es dann auch. Kaum standen Haus und Fabrik, sind beide (die nicht direkt nebeneinander standen) in einem großen Feuer vollkommen zerstört wurden. Der Siedler hat noch immer nicht an Geister geglaubt, seine Frau allerdings schon, denn sie meinte, in den Flammen ihres Hauses Gestalten tanzen gesehen und sie rufen gehört zu haben. Sie ist in den folgenden zwei Wochen vollkommen wahnsinnig geworden und dann auch plötzlich tot umgefallen.
Daraufhin ist der erste Siedler weggezogen und hat das Land verkauft. Er brauchte jedoch ganze 20 Jahre, um jemanden zu finden, der das Land haben wollte! Der Käufer hat erneut eine Fabrik errichten lassen und sie vorsorglich mit einem modernen Löschsystem ausstatten lassen, also Sprenklern an der Decke und allem. Ironischer weise ist er bei einer Besichtigung seiner Fabrik von einer der Wasserrohre, das plötzlich von der Decke fiel, erschlagen worden. Einer seiner Söhne ist bei einem Reitunfall von der Kutsche so überfahren wurden, dass ihm das Rad den Kopf abgetrennt hat und der zweite Sohn hat sich kurz darauf das Leben genommen. Das Wohnhaus von denen steht jedoch noch immer als Hotel und dort spukt es dermaßen häufig, dass alle Angestellten ein extra Verhaltenstraining wegen Geistern absolvieren! (boah ich krieg hier schon wieder schiss, verdammt ich muss mir heute Abend echt was einfallen lassen, dass ich schlafen kann XD )
Nagut, es gab auf der Tour noch sehr viele Geschichte, von denen die meisten aber nicht mehr so gruselig waren, sondern eher eben Lebensgeschichten von jetzt erscheinenden Geistern erzählt haben, die eher freundlich sind ;) Und bei der einen Geschichte wurde es dann plötzlich richtig gruselig. Also, hier hat mal ein ziemlich bekannter Politiker seiner Zeit gewohnt und sein ganzer Stolz war eine große Obstbaumplantage hinter seinem Haus. Besonders geliebt hat er seine Kirschbäume (hab die Sorte leider grad vergessen). Dort ist er Abends immer zwischen den Bäumen hindurch gewandert und hat seine Zigarre geraucht. Zum einen, weil er seine Bäume so liebte, zum anderen, weil seine Frau ihm das Rauchen im Haus verboten hatte ;) Er war jedenfalls beliebt und bekannt in der ganzen Stadt, die damals gerade 400 Einwohner hatte. Als er dann starb, war auch die ganze Stadt auf seiner Beerdigung. Alle wussten also, dass er tot war. Trotzdem kamen kurz darauf immer mehr Leute an, die meinten, ihn noch immer unter seinen Bäumen hatten spazieren sehen, oder die zumindest den Pfeifenrauch gerochen hatten. Das Gelände wurde später jedoch von den Behörden für ein Verwaltungsgebäude verwendet, also mussten alle Bäume raus. Irgendjemand kannte jedoch die Geschichten und hatte die Idee, einen der Kirschbäume zu retten und hinter das Gebäude in einen kleinen Garten zu pflanzen. Von diesem Baum werden heute im ganzen Land mehrere Senker in unterschiedlichen Altersstadien herangezogen, damit dort immer einer dieser Bäume steht.
Wir standen jedenfalls um den Baum und haben der Geschichte gelauscht (es war eine der ersten, also waren wir eigentlich noch alle ganz guter Dinge ;) )als ich plötzlich von hinten rechts ne starke Pfeifenrauschwolke rieche. Erst hab ich so gedacht: Ja klar, jetzt spielt dir dein Hirn schon Streiche! Obwohl ich es schon sehr seltsam fand, weil der Geruch eben zunächst von entgegen dem Wind kam! Und dann kam er plötzlich von vorne, vom Baum aus, und somit von der Mitte unseres Halbkreises und da sagt doch tatsächlich einer der anderen Teilnehmer: Riecht ihr auch den Pfeifenrauch? Ich gleich ja gesagt und ich war auch nicht die einzige, die das plötzlich bestätigt hat und ich hab der einen Frau angesehen, dass sie grad ziemlich erleichtert war, nicht die Einzige zu sein ;) Ging mir auch so, obwohl es die Situation nicht weniger gruselig gemacht hat! Und die Überraschung unserer Führerin sah so echt aus, dass ich auch nicht glaube, dass da wer nen Duftspender verbuddelt hat ;) Außerdem hätten es dann alle gerochen, wir waren aber nur so 6 Mann von ungefähr 20, die es gerochen haben ;)
So und jetzt hör ich auf davon zu erzählen oder daran zu denken, denn sonst kann ich heut auch nur wieder nicht schlafen! Und meine Ablenkung, die ich heute hatte, ist auch schon vorbei. Ich hab nämlich das Hörbuch, das mir die Mädels vor meinem Aufbruch geschenkt hatten, endlich mal gehört! (Für alle die es nicht wissen: Es heißt: Ich bin dann mal weg! Von Hape Kerkeling und handelt von seiner Wanderung auf dem Jakobsweg.) Ich war ja zugegebenermaßen etwas skeptisch, naja ihr kennt mich ja, ich und die Kirche das ist nun wirklich nicht meins ;) Habs mir aber trotzdem angehört, war eben einfach neugierig ;) Und ich muss sagen, ich fand es wirklich sehr interessant! Und es ist auch herrlich witzig! :D Regt auch ein bisschen zum nachdenken an und das witzige dabei ist, dass ich es gut finde, das jetzt am Ende meiner Reise gehört zu haben, denn viele der Erkenntnisse, die er am Ende jeden Tages trifft, habe ich hier auch schon für mich getroffen :) Also Mädel: vielen lieben Dank nochmal für das tolle Geschenk! Und ich kann es nur jedem weiter empfehlen :D Ich glaube zwar noch immer nicht an Gott im Kirchlichen Sinne, aber zum Glück ist das Buch wirklich nicht sonderlich kirchlich und gibt auch viele Ideen aus anderen Religionen wieder. Wie gesagt, ziemlich interessant :)
Tja, was gibt es noch? Ach, hab auf unserem Heimweg gestern noch ein schönes Photo gemacht von einem beleuchteten Brunnen :D Das kann ich euch natürlich nicht vorenthalten:


Und wenn wir schon mal bei Bildern sind: Chrissi und Melissa haben zwar einen Geschirrspüler hier in der Wohnung, der hat aber noch nie wirklich funktioniert und seit ein paar Wochen ist er nun gänzlich hinüber. Nutzlos ist er deshalb trotzdem nicht, denn wir nutzen ihn immer als Abtrockenfläche für den Abwasch :D


Und wenn wir schon mal bei Photos sind. Die hier hatte ich schon vor einer ganzen Weile gemacht, aber irgendwie noch in keinem Bericht untergebracht. Hier kommen sie also: Die Kanadier und ihre Bäume! Oak Bay, wo ich oft am Strand sitze, ist eben bekannt für seine Oak Bäume und die sind auch strengstens geschützt! Denen darf man kein Leid antun! Daraus resultieren dann Dinge wie: Löcher im Zaun, damit der Ast weiter wachsen kann:


Oder die Erkenntnis, dass man lieber die Fußgänger die Köpfe einziehen lässt, als dem Baum einen Ast abzuschneiden:


Ach und dann sind Chrissi und ich den einen Tag zum einkaufen gelaufen, brauchten nur noch Kleinigkeiten und sind daher zu dem kleinen Markt die Straße runter gegangen (ok noch immer 20 Minuten eine Strecke, aber das ist hier nah ;) ). Jedenfalls stand da in einem der Vorgärten plötzlich ein Reh herum! Ich hatte mir zu dem Zeitpunkt zum Glück schon angewöhnt, meine Kamera einfach immer dabei zu haben, und somit ist der folgende Schnappschuss entstanden:


Das freche Reh streckt uns einfach die Zunge raus! :D Ach und hier noch was für Caro: Auf einem der Märkte gab es hunderte gehäkelte Fingerpuppen! Das ist doch bestimmt auch ne Idee für deinen kleinen Neffen ;)


Nagut, ich denke, das reicht dann für diesen Bericht ;) Mal sehen, ich denke ich werde am Sonntag noch einen Abschlussbericht einstellen, oder wenn ich wieder zu Hause bin. Und keine Sorge: Ich habe noch genügend Fotos und Geschichten für lange Fotoabende :D Auf die ich mich im Übrigen schon riesig freue! Letzte Woche war ich manchmal schon traurig, dass ich hier weg muss. Diese Woche überwiegt ganz eindeutig die Vorfreude auf zu Hause und auf euch alle!!! Ich hoffe ich schaffe es am Wochenende noch einmal irgendwie an den Strand, auch wenn ich ja erst mal die Prüfungen bestehen muss :) Aber einen Abschiedsspaziergang habe ich im Grunde schon geplant ;) Die Prüfung am Samstag ist Mittags zu Ende, und ich denke, dass ich danach noch einmal den ewig langen Spaziergang entlang des Strandes nach Hause unternehmen werde. Quasi als Abschied. Sonntag werde ich mit packen genug zu tun haben ;) Wobei, normaler weise geht das ja schnell, vielleicht schaff ich es ja noch einmal an den anderen Strand, dann hätte ich mich überall noch einmal verabschiedet :D
Aber zunächst wünsche ich euch allen noch eine schöne Woche und ich freue mich darauf euch alle bald wieder zu sehen!
Glg, eure Anja :)

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